Mit ‘Gebrauchsblickfeld’ getaggte Beiträge

Mein Fernseher kann „Full HD“. Das ist heutzutage nichts besonderes mehr. Die „volle“ HD-Auflösung entspricht einer Auflösung von 1080 Zeilen mit jeweils 1920 Bildpunkten. DVDs kriegt man in Deutschland üblicherweise im digitalen PAL-Format, das sind 576 Bildzeilen,  die üblicherweise mit 720 Bildpunkten pro Zeile gespeichert werden. Als Zwischending benutzen die meisten HD-fähigen Fernsehsender 720 Zeilen mit je 1280 Bildpunkten. Für Kinoprojektoren werden Auflösungen bis zu 2160 Zeilen mit je 4096 Bildpunkten genutzt. Und wem das noch nicht genügt, der kann auf das 8K-Format zurückgreifen, das als Masterformat für Kinoproduktionen verwendet wird und 4320 Zeilen mit je 8192 Bildpunkten hat.

Verschiedene Bildauflösungen von PAL bis 8K im Größenvergleich
Digitales PAL (720×576), „Abgespecktes“ HD (1280×720), „Volles“ HD (1920×1080), 4K (4096×2160) und 8K (8192×4320) im Größenvergleich

Da fragt man sich natürlich, wie weit das Spielchen noch getrieben werden kann, bis wir in ein paar Jahren den ersten Hersteller mit einer Million Bildpunkten pro Zeile auf der IFA begrüßen können.

Technisch mag das vielleicht sogar eines Tages im Bereich des Möglichen liegen, aber sinnvoll ist das nicht.

Vielleicht ist dem einen oder anderen schon aufgefallen, dass die 4K-Kinoauflösung gerade mal doppelt so groß wie die Full-HD-Auflösung ist, obwohl eine Kinoleinwand deutlich mehr als doppelt so groß wie ein Fernseher sein dürfte. Noch erstaunlicher ist, dass die meisten Kinos gar nicht in dieser hohen Auflösung arbeiten, sonden lediglich in 2048×1080, was mehr oder weniger der Full-HD-Auflösung des Fernsehers entspricht.

Das ist ein gutes Indiz dafür, dass es bei der Auflösung nicht so sehr auf die Größe ankommt. Wie jeder weiß, der schon mal ein Werbeplakat aus unmittelbarer Nähe gesehen hat, ist für diesen Druck eine Bildpunktgröße üblich, die selbst ein Kindergartenkind mit Fingerfarben unterbieten kann. Wir merken das nur nicht, weil wir uns normalerweise von einem Plakat deutlich weiter weg befinden als von der doppelseitigen Hochglanzanzeige in einer Zeitschrift.

Ob wir einzelne Bildpunkte unterscheiden können, hängt nämlich vom Verhältnis zwischen Bildgröße und Betrachtungsabstand ab. Üblicherweise misst man dieses Verhältnis über den Winkel zwischen den Strahlen, die von den beiden Punkten ins Auge des Betrachters laufen. Die meisten Leute kennen aus der Schule hauptsächlich das Grad (360° sind eine volle Umdrehung, 90° ist ein rechter Winkel). Wenn ein Grad immer noch zu grob eingeteilt ist, geht man zu Winkelminuten (60′ = 1°) und Winkelsekunden (60“=1′, 3600“=60’=1°) über.

Menschen mit normalem Sehvermögen (Visus 1,0) haben ein Auflösungsvermögen von 1′. Das theoretische Limit liegt bei 0.3′, das ist nämlich der Abstand, in dem die einzelnen Sehzellen am schärfsten Punkt des menschlichen Sehens auseinander liegen. Das Gebrauchsblickfeld eines Menschen hat eine Ausdehnung von etwa 20°. Das bedeutet, dass wir Punkte, die außerhalb dieses 20°-Kegels liegen, nur anvisieren können, indem wir entweder den Kopf bewegen oder unsere Augen bewusst anstrengen. Das maximale Blickfeld, das wir horizontal mit beiden Augen zugleich erfassen können, liegt bei 60°.

Da ein Filmabend nicht anstrengend sein sollte, muss das Bild (oder zumindest die Teile des Bildes, die wir üblicherweise anvisieren wollen) innerhalb unseres Gebrauchsblickfeldes liegen. Gehen wir davon aus, dass uns in erster Linie die Bildmitte interessiert, dann sollte das Bild etwa 40° unseres Gesichtsfeldes einnehmen. Zum Vergleich: Dafür muss ich von meinem 19-Zoll-Monitor etwa 40 Zentimeter entfernt sitzen. Für einen Normalsichtigen braucht eine Bildzeile in diesem Betrachtungsabstand dementsprechend 2400 Bildpunkte (40° / 1′).  Ein extrem scharfsichtiger Mensch benötigt 4800 Bildpunkte. Das theoretische Limit, das unsere Sehzellen überhaupt auflösen könnten, liegt bei rund 8000 Bildpunkten.

Für normale Menschen ist also die derzeitige HD-Auflösung bereits ziemlich nah am Optimum, vor allem wenn man bedenkt, dass die meisten Leute eher etwas weiter vom Fernseher weg sitzen wollen. Spätestens mit der 8K-Auflösung von 8192 Bildpunkten pro Bildzeile können selbst Wanderfalken auf den gewählten Betrachtungsabstand nicht mehr einzelne Bildpunkte unterscheiden.

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