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Drei Monate Singapur

Veröffentlicht: 04.02.2012 in Singapur

Seit Anfang des Monats bin ich beruflich in Singapur. Ich arbeite hier an einem Forschungsprojekt bei den DSO National Laboratories, das aus einem Kooperationsvertrag zwischen dem deutschen und singapurischen Verteidiger hervorgegangen ist, und bin damit gewissermaßen das ausführende Organ für den deutschen Beitrag. Solche Kooperationen sind nichts ungewöhnliches und ich bin auch nicht der erste Wissenschaftler von unserem Institut, der so etwas macht, aber es ist eine Erfahrung, auf die ich mich schon länger freue.

Singapur ist ideal für Asienneulinge wie mich: Da Englisch eine der Amtssprachen ist, kommt man damit so gut wie überall durch, ansonsten trifft man auf Chinesisch und Malaiisch. Der Ausländeranteil in der Bevölkerung ist zudem recht groß (über 20 Prozent), so dass man als Europäer eigentlich kaum Aufmerksamkeit erregt. Die Kriminalitätsrate ist ausgesprochen niedrig und die Stadt ist sehr sauber. Beides hängt sicher auch mit den strengen Strafen zusammen, die verhängt werden, doch habe ich den Eindruck, dass das Wohlergehen der Gemeinschaft einfach stärker im Bewusstsein der Menschen verankert ist als in unserer westlichen Gesellschaft der individuellen Selbstverwirklichung: es wäre unhöflich und peinlich, sich asozial zu benehmen. Der Staat mischt sich gerne ins öffentliche Leben ein, was zwar von westlicher Seite häufig kritisiert wird, aber an vielen Stellen für das Gemeinwohl ausgesprochen nützlich ist. Beispielsweise dürfen die privaten Verkehrsbetriebe nicht ohne staatliche Genehmigung ihre Preise erhöhen, Internetprovider werden verpflichtet, auf eine bestimmte Verfügbarkeitsquote im Jahr zu kommen und Straßen werden verkehrsabhängig mit einer variablen Maut belegt.

Meine Reise nach Singpur (Schleichwerbung I: Singapore Airlines bietet tollen Service) und die Ankunft am 1. Februar waren soweit ganz angenehm, bis auf den üblichen Jet-Lag, und ich habe mich erst mal in ein Hotel einquartiert. Stephen, mein singapurischer Kollege im Projekt, hat mir geholfen, mich zurecht zu finden, einen Makler für die Wohnungssuche engagiert und bei den Wohnungsbesichtigungen Taxi für mich gespielt. Nebenbei habe ich auch schon mal angefangen zu arbeiten und die anderen Mitarbeiter der Arbeitsgruppe kennengelernt.

Nach einigem Hin und Her sind wir schließlich fündig geworden (Schleichwerbung II: Lestin von der Firma PropNex hat das Unmögliche möglich gemacht), und so wohne ich jetzt zentrumsnah an der Grenze zu Little India. Wenn ich aus der Haustür meines Appartmentblocks komme, stehe ich direkt gegenüber einer Reihe von Food Stalls, bei denen man die verschiedensten Gerichte für umgerechnet weniger als 2 Euro bekommt. Einfach bestellen, an einen freien  Tisch setzen, wahlweise noch ein Getränk dazu, wenn die nette Bedienung des Getränkeladens vorbeiläuft, und schon ist man ohne selbst kochen zu müssen satt und zufrieden. Fußläufig schnell erreicht sind auch ein großer Supermarkt und die hiesige MRT-Station für die U-Bahn: Beste Voraussetzungen für einen schönen Aufenthalt mit einheimischem Flair.

Montag werde ich dann zum ersten Mal von meiner Wohnung die etwa 40-minütige Reise zu meinem Arbeitsplatz antreten. Für ein oder zwei Stationen komme ich damit in den typischen Rush-Hour-Betrieb mit sardinenbüchsenartig befüllten U-Bahnen, so wie man das aus Japan kennt. Sollte mir das zu anstrengend werden, darf ich aber auch einfach ein bisschen später fahren; offiziell gibt es zwar keine Gleitzeit, aber letztlich zählt nur, dass die Arbeit gemacht wird, und nicht um welche Uhrzeit man an seinem Schreibtisch sitzt. Gearbeitet wird sowieso mit Motivation und gerne auch mal länger. Dafür gibt es in der Mittagspause reichlich Gelegenheit zum Kickern und Billard Spielen. Ich denke, ich werde mich wohlfühlen.

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