Wir sind das Netz

Veröffentlicht: 30.04.2012 in Internet
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Die Netzgemeinde, das ist diese geheimnisvolle Meinungsmaschine, die im Internet den Ton angibt. Gern und viel zitiert ist sie, bevorzugt im Gegenentwurf zur wirklichen Welt, in der noch Anstand und Ordnung herrschen. Eine Hydra widersprüchlicher Ansichten, die sich heute über Katzen mit Rechtschreibschwäche amüsiert und morgen nach Kriegsverbrechern fahndet. Im wahren Leben wird in der Zwischenzeit der Euro gerettet.

Der Gegensatz entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Augenwischerei. Menschen haben schon immer miteinander kommuniziert und diskutiert. Doch was früher vornehm im Buchclub erörtert wurde, was beim Ortsfest über Gott und die Welt getratscht wurde, aber auch was am Stammtisch in allgemeiner Bierseligkeit dem gnädigen Vergessen anheim fiel, steht heute gleichberechtigt nebeneinander bei Facebook, in einer Online-Zeitschrift oder einem Blog. Das Internet ist die Fortführung der Gesellschaft mit anderen Mitteln.

Viele, die sich über diese ungezähmte Meinungsfreiheit beklagen, und dies ironischerweise oft genug im Internet tun, verkennen, dass sich die Menschen online nicht anders verhalten als sie es offline schon immer getan haben. Sie tun es nur in einer Unmittelbarkeit, die historisch ohne Beispiel ist, und genau darin liegt das Geheimnis der Netzgemeinde: Das Netz, das sind wir alle. Auch wenn mancher vielleicht nur zuhört bzw. mitliest und sich im Stillen seine Meinung bildet. Und selbst die letzten Internet-Verweigerer sind beteiligt, wenn sie am Küchentisch mit ihren Freunden und Verwandten über Für und Wider dieses ganzen neumodischen Schnickschnacks streiten.

Das Internet ist für Kommunikation, was das Auto für die Fortbewegung ist. Und genau wie dem Internet wurde dem Auto mit Misstrauen begegnet. Es war laut und gefährlich, und in der Anfangszeit reichlich unpraktisch. Mancherorts musste jemand mit einer roten Fahne vorweg laufen, um Menschen vor der nahenden Gefahr zu warnen. Heutzutage lächeln wir darüber. Die meisten Menschen haben ein Auto und nutzen es wie selbstverständlich zum Einkaufen und für ihren Arbeitsweg. Nicht alles lässt sich sinnvoll mit dem Auto bewältigen, aber vieles wäre ohne Auto schwieriger und möglicherweise auch nur wenigen Auserwählten vorbehalten.

Es ist schwer zu sagen, wohin die Reise mit dem Internet geht. Wir haben gerade erst angefangen zu verstehen, welche neuen Möglichkeiten und Risiken sich mit dieser grenzenlosen Kommunikation eröffnen, gerade im Bereich der Politik. Die Piratenpartei stürzt sich mitten hinein in den reißenden Strom und hofft, irgendwo anzukommen ohne dabei zu zerschellen. Andere stehen am Ufer und sehen zu, dass ihre Füße trocken bleiben. Wir werden Fehler begehen und unsere Erfahrungen machen. Doch das Internet bietet die nie dagewesene Möglichkeit, dass nicht nur ein paar Eliten das Schicksal der Welt in der Hand haben, sondern dass viele Menschen gemeinsam Lösungen finden für die globalen Probleme unserer Zeit. Nutzen wir sie.

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