„Kauft nicht beim Juden!“

Veröffentlicht: 07.07.2011 in Politik

Vor einigen Wochen zog ein kleiner Trupp unbeugsamer Linker in Bremen los, um zum Boykott israelischer Produkte aufzurufen. Zumindest der Partei war es dann auch im Nachhinein peinlich. Im Boykott-Aufruf war unter anderem zu lesen:

Boykottaktionen gegen israelische Waren könnten leicht in den Ruch der verhängnisvollen Aufforderung der Nazis „Kauft nicht bei Juden!“ kommen. Ein solcher Vorwurf ist in diesem Fall völlig abwegig. Wir wollen mit unseren Aktionen, die weltweit laufen und auch von vielen Juden und Israelis unterstützt werden, Druck auf Israel ausüben, sich an internationale Konventionen, Völkerrecht und Menschenrechte zu halten.

Ein ehrenvolles Anliegen, wer kann das leugnen? Und warum sollte man nicht auch mit dem Geldbeutel abstimmen? Als verfassungtreue Bürger, die dem Grundgesetz verpflichtet sind, sollte es uns eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Einhaltung der Menschenrechte Vorrang vor unseren Konsumwünschen hat. Der Kapitalismus findet seine unüberwindbare Schranke in der unantastbaren Würde des Menschen.

Aus diesem Grund verzichtet Deutschland auch auf die lukrativen Geschäfte in China. Wir kaufen keine Schokolade, um gegen die menschenunwürdigen Bedingungen des Kakaoanbaus zu protestieren. Wir beziehen unser Gas nur bei lupenreinen Demokraten. Und auch bei unseren Telefonen und Autos stehen politische, ökologische und menschenrechtliche Gesichtspunkte immer an erster Stelle. Ganz zu schweigen von unseren Waffengeschäften.

Das hat natürlich alles erst mal nichts mit der israelischen Siedlungspolitik zu tun. Und die Verfehlungen des einen werden nicht dadurch besser, dass es andere noch viel übler treiben. Aber es bleibt die Frage: Warum ausgerechnet ein Boykott gegen Israel? Essen wir tatsächlich so viele Datteln, dass es sich lohnt, an dieser Stelle den wirtschaftlichen Hebel anzusetzen? Sind israelische Kartoffeln wirklich so schlimm, dass man sie gezielt markieren muss? Warum reden so viele vom Nahostkonflikt (ca. 85000 Opfer) und so wenige vom Bürgerkrieg im Sudan (ca. 2 Millionen Opfer)?

Möglicherweise werden die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen.

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